Gastbeitrag: Dr. Domink Bammer, niedergelassener Allgemeinmediziner im Bezirk Gmunden

Als Hausarzt nehme ich wahr, dass die Konsultationen hinsichtlich psychischer „Beschwerden“ stark zunehmen. Insbesondere in der Zeit der Pandemie war ich nicht nur ein Mal mit Jugendlichen konfrontiert, die z.B. eine Depression entwickelt haben.


Ich stelle fest, dass es 2 verschiedene Wege gibt, über die ich zur Frage der psychischen Gesundheit meiner PatientInnen im Kinder- und Jugendalter gelange:


1. Eltern kommen mit dem oder ohne das betroffene Kind zu mir, weil dieses offensichtlich unter einem psychischen Problem leidet. Wenn mich ein Kind selbst um ein Attest bittet, damit es nicht zu einer Klassenfahrt mitfahren „muss“, läuten bei mir alle Alarmglocken. Mobbying kann schließlich dazu führen, dass das Kind in seinem alltäglichen Leben beeinträchtigt ist. Nicht selten hat sich bei massiven Ausprägungen als Folge eine psychische Erkrankung entwickelt. Kinder sind antrieblos, leiden unter Schlafstörungen – um nur einige wenige Punkte zu nennen.


2. Kinder oder Jugendliche, die mit Somatisierungsbeschwerden (z.B. Bauchschmerzen, andauernde Kopfschmerzen, etc.) zu mir kommen, kläre ich im ersten Schritt somatisch ab. D.h. klinische Untersuchung, Labor, Ultraschall etc. Die Diagnostik richtet sich nach dem bio-psycho-sozialen Modell. Wenn also eine körperliche Abklärung unergiebig ist, gehe ich in ein diagnostisch-therapeutisches Gespräch um Hintergründe der Lebenssituation zu erfahren. Wichtig ist, dass dieses Gespräch in einer vertrauensvollen Atmosphäre stattfindet. Daher bin ich mit Kindern grundsätzlich per Du, was viel Geborgenheit schafft.


Psychische Erkrankungen variieren in der Ausprägung sehr stark. Dabei kann es sein, dass im Akutfall ein stationärer Aufenthalt an der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Linz notwendig ist. In den anderen Fällen wird ein Therapieplan entwickelt, wobei die Psychotherapie eine zentrale Rolle spielt. Ein zeitnaher Kontrolltermin mit dem Kind/Jugendlichen bei mir in der Praxis ist mir ganz wichtig, um eine Reevaluierung vorzunehmen und ggf. frühzeitig Probleme zu erkennen. Bei einer Verschlechterung des Zustandes würde ich umgehend an einen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie überweisen.

Hier komme ich schon zu den eigentlichen Problemen auf dem Gebiet: Die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist ein Fachbereich der Medizin, in dem es einen großen Ressourcenmangel gibt. Sei es bei Fachärzten mit langen Wartezeiten oder auch bei kassenfinanzierten Psychotherapieplätzen. Das Angebot müsste hier in allen Bereichen ausgebaut werden. Für meine PatientInnen bzw. deren Eltern spielt die finanzielle Belastung durch psychotherapeutische Behandlungen eine große Rolle. Für die Kinder und Jugendlichen ist es aber unendlich wichtig, dass sie konstant begleitet werden. Nur so haben sie wirklich die Chance, um psychisch gesund zu werden. Aus diesem Grund leistet Seelenpflaster Pionierarbeit in einem sehr wichtigen und immer relevanter werdenden Bereich.


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